Geldsorgen machen dich fertig?
Wenn die Preise immer weiter steigen, wird jeder Einkauf zur kleinen Rechnung, und die Sorge geht abends mit ins Bett. Hier steht, warum sie so schwer abzustellen ist und was sie leiser macht.
Vom DeepShrink-Team ·
Warum Geldsorgen nicht abschalten
Die meisten Sorgen bleiben in einem Bereich des Lebens. Geld begleitet dich überallhin. Der Kartenleser an der Kasse erinnert dich daran, die Nebenkostenabrechnung im Briefkasten auch, deshalb kommt die Sorge nie richtig zur Ruhe.
Sie nährt sich außerdem von Ungewissheit. Wenn die Preise sich ständig bewegen und du nicht weißt, wie der nächste Monat aussieht, rechnet dein Kopf immer wieder nach, meistens nachts und ohne Stift. Was man um zwei Uhr nachts im Kopf ausrechnet, sieht meist schlimmer aus als dieselbe Rechnung auf Papier.
Geldsorgen belegen außerdem Denkkapazität. In einer Studie, die 2013 in Science erschien, ließ ein Team um Anandi Mani Menschen in einem Einkaufszentrum in New Jersey durchdenken, wie sie eine teure Autoreparatur bezahlen würden, und gab ihnen danach Denkaufgaben. Wer wenig verdiente, schnitt schlechter ab, wenn die Reparatur teuer war, als wenn sie günstig war. Bei Menschen mit höherem Einkommen machte der Preis keinen Unterschied. Menschen, die in Indien Zuckerrohr anbauen, lösten dieselbe Art von Aufgaben nach der Ernte, wenn das Geld da war, besser als davor. Wenn du in einem knappen Monat vergesslicher bist, liegt das also wahrscheinlich auch an der Sorge.
Das passiert auch trotz gutem Gehalt, wenn das meiste Geld schon verplant ist, bevor es da ist.
Warum Wegschauen es schlimmer macht
Wenn Geld Angst macht, liegt es nahe, die Banking-App nicht mehr zu öffnen und die Briefe ungeöffnet liegen zu lassen. In der Wirtschaftsforschung heißt das Vogel-Strauß-Effekt. Ein Team um Niklas Karlsson fand 2009 heraus, dass Anlegerinnen und Anleger in Skandinavien und den USA seltener in ihr Depot schauten, wenn die Kurse fielen. Nicht hinzuschauen bringt einen Tag Erleichterung. Dann werden die ungeöffneten Briefe zu einer eigenen Sorge, und die Zahl, die du dir vorstellst, ist oft schlimmer als die echte.
Hinschauen muss kein großer Termin sein. Öffne die App und lies den Kontostand, mehr nicht. Nach einer Woche kennst du die Zahl und kannst anfangen, mit ihr zu planen.
Schau einmal pro Woche auf die Zahlen
Nimm dir einen Abend pro Woche eine halbe Stunde Zeit und einen Stift. Schreib auf, was reinkommt und was rausgehen muss. Die Differenz ist das, wovon du lebst.
Such dir dann für die Woche eine kleine Aufgabe aus, die dir am meisten Last abnimmt, etwa einen Anruf wegen einer Rechnung oder eine Abbuchung, die du auf kurz nach dem Zahltag verschiebst.
Außerhalb dieses Abends bekommt die Sorge einen festen Platz. Wenn sie bei der Arbeit auftaucht, schreib sie auf die Liste für den nächsten Geldabend und lass sie warten. Eine Sorge lässt sich leichter liegen lassen, wenn du weißt, wann sie dran ist.
Wenn du dein Geld mit jemandem teilst, macht den Abend zusammen oder teilt zumindest die Liste, damit nicht eine Person allein das ganze Bild trägt.
Wenn du Rechnungen nicht zahlen kannst
Melde dich beim Unternehmen, bevor eine Zahlung ausfällt, oder so bald wie möglich danach, und frag nach einer Ratenzahlung.
Schuldnerberatung gibt es, und es lohnt sich, früh hinzugehen. Gemeinnützige Stellen wie die Caritas oder die Diakonie beraten kostenlos, und auch die Verbraucherzentralen und viele Kommunen bieten Schuldnerberatung an. Die Wartezeiten können mehrere Wochen betragen, also ruf lieber früh an.
Vorsicht bei privaten Firmen, die Geld dafür verlangen, deine Schulden zu regeln. Frag zuerst bei einer gemeinnützigen Beratungsstelle nach.
Wenn es mehr als Geldsorgen ist
Geldsorgen sind häufig, wenn die Preise steigen, und sie lassen oft nach, sobald die Zahlen vor dir liegen und der nächste Schritt klar ist. Sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer anderen qualifizierten Fachperson, wenn die Sorge wochenlang an den meisten Tagen da ist oder dich nicht schlafen lässt. Wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, oder jetzt in Gefahr bist, ruf den Notruf an.
Quellen
- Mani, A., Mullainathan, S., Shafir, E. and Zhao, J. (2013). Poverty impedes cognitive function. Science, 341(6149), 976-980.
- Karlsson, N., Loewenstein, G. and Seppi, D. (2009). The ostrich effect: selective attention to information. Journal of Risk and Uncertainty, 38(2), 95-115.
- MoneyHelper (government-backed money and debt guidance, UK)
- Citizens Advice (free debt advice, UK)
- Caritas: Schuldnerberatung (kostenlos)
- European e-Justice: brezplačna pravna pomoč v Sloveniji
DeepShrink dient der Selbstreflexion und ist keine Therapie oder medizinische Behandlung.